Herkulesstaude

Herkulesstaude oder Riesenbärenklau
Liebe Kräuterinteressierte,
 
ich möchte Euch an der größten Blume teilhaben lassen, die ich jemals hier in der Gegend gesehen habe: einem gigantischen Riesenbärenklau oder auch Herkulesstaude genannt.
Man sieht förmlich, wie die Pflanzen sich diesen Platz erobert haben. Leider ist meine kleine Kamera nicht annähernd in der Lage, diese überaus vitale Pflanzen wiederzugeben. Die große Herkulesstaude auf dem Bild ist ca. 2,50 Meter hoch und der Stängel ist unterarmdick. Sie wirkt eher wie ein Baum als wie eine Pflanze.
 
Wer weiß, ob man jemals wieder ein solches Exemplar sieht, deswegen sende ich Euch hier die Wegbeschreibung:
Von Äpfingen auf die Kreisstraße 7504 Richtung Schemmerberg. An der Stelle, wo der Teer endet, kommt Ihr in ein Wald-/Riedgebiet. Ca. 100 Meter rechts ist ein Holzstapel und dahinter stehen die Herkulesstauden. Ich bin durch meine Vollbremsung fast vom Fahrrad gefallen als ich diese beeindruckenden Pflanzen gesehen habe.
Es lohnt sich, dort hinzufahren, wer weiß, ob wir jemals wieder so ein Prachtexemplar sehen, denn sie wird nach Leibeskräften bekämpft.
 
Hintergrundwissen:
Die Herkulesstaude ist ein Schirmblütler und wurde im Jahr 2008 als "Giftpflanze des Jahres" auserkoren.
Sie ist aus dem Kaukasus zu uns gekommen, ein sogenannter Neophyt, d.h. neu eingewanderte Pflanzen.
Als die Armee Napoleons besiegt war, wurde in Wien ein Kongress zur Neugestaltung Europas einberufen. Fürsten und namhafte Diplomanten aus aller Welt reisten 1814 an. Dabei überreichte der russische Zar Alexander I. Fürst Metternich in Wien eine wertvolle Malachit-Vase voller Samen als Geschenk. Der Fürst ließ die Samen im Park seiner Sommerresidenz Schloss Königswart in Böhmen aussähen. Die Gärtner bekamen eine Pflanze zu sehen, die dem Namensgeber, dem antiken Helden Herkules alle Ehre macht. Neben dem Riesen-Bärenklau machte das größte in Mitteleuropa heimische Wiesenwildkraut, der Wiesen-Bärenklau (Heraculeum spondylium) eher eine mickrige Gestalt. Botaniker bewunderten diese Pflanzen und die Samen wurden getauscht.
Auch der englsiche Hof baute um 1890 den Riesenbärenklau an. Ebenfalls erkannten die Imker, dass die riesige Blütendolde viel Nektar für Honigbienen hervorbringt und verbreiteten die Pflanze.
Es verging dennoch viel Zeit von der ersten Kultivierung bis zur Verwilderung im letzten Jahrhundert.
 
Der Riesenbärenklau steht inzwischen auf der sogenannten schwarzen Liste. Das heißt, die Bürger sind angehalten, diese Pflanzen auszureißen bzw. zu vernichten, wo er sie antrifft. Dies ist auch geschehen z.B. am Weg beim Modellflugplatz zwischen Äpfingen und Schemmerhofen. Dort hat jemand die Herkulesstauden gespritzt und sie verenden gerade.
Doch diese Pflanzen werden inzwischen zunehmend immun gegen Herbizide.
 
Giftwirkung:
Der Riesenbärenklau und auch der Wiesenbärenklau (allerdings in viel geringeren Mengen) enthält sogenannte Furanocumarine, die auf der Haut empfindlicher Menschen, wenn das Kraut bei strahlendem Sonnenschein geerntet wird, Wiesendermatitis auslösen kann. Das heißt, es kommt zu Hautausschlägen bis hin zu heftigen Brandblasen. Deswegen wird geraten, die Herkulesstaude auf keinen Fall anzufassen.
 
Es gibt noch viel über diese interessante Pflanze zu berichten. Wer sich tiefergehend damit beschäftigen möchte, der lese im Buch "Wandernde Pflanzen" von Wolf-Dieter Storl nach. Daraus habe ich die obenstehenden Informationen.
 
Nutzt die Gelegenheit, die kommenden Tage diese gigantische, vitale und gesunde Pflanze zu besuchen und sie auf Euch wirken zu lassen. - Es lohnt sich!
 
Herzliche Grüße und schöne Sommertage